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  • Claudia Erzberger

Wenn die Welt wieder Kopf steht…

Manchmal steht die Welt still. Manchmal steht die Welt Kopf. Wo steht mir der Kopf?


War es ein ruhiges Jahr? Ein turbulentes Jahr? Vielleicht ein bisschen was von beidem. Vieles habe ich vermisst, auf Vieles hätte ich verzichten können.

Sicherlich war auch 2021 nochmal ein Jahr voller Einschränkungen – nicht so ganz frei, nicht so ganz unbeschwert. Ein „ruhiges“ Jahr.


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Manchmal wird es allerdings gerade in den ruhigsten Momenten ganz schön turbulent. Wenn wir abgelenkt sind, durch Reize im Außen, durch den ständigen Blick auf unser Smart-Phone, Podcasts, Netflix, Stress im Job, Treffen mit Freunden, Konzerte und Kinoabende – was man halt so alles macht, im normalen Alltagswahnsinn – nehmen wir uns selbst kaum so richtig wahr. Was wäre also wenn? Wenn all diese Reize plötzlich wegfallen. Während den Corona-Einschränkungen wurde es im Außen plötzlich ganz leise, zumindest leiser als sonst – umso lauter in uns drin. Wo wir davor Vieles verdrängen konnten, vor uns selbst davonlaufen konnten, hat Corona uns dazu gezwungen innezuhalten, zu spüren was wirklich vor sich geht – in uns selbst. Nicht immer angenehm.

Alles was da so zum Vorschein kam, war schon immer da, aber es fing an sich zu zeigen, beschleunigt sich, intensivierte sich. So ging vielleicht die an oder andere Beziehung auseinander, vielleicht wurde die Sinnhaftigkeit im Job hinterfragt oder gleich die ganze Lebenssituation. Wir hatten Zeit zum Nachdenken und Reflektieren – wie zufrieden bin ich überhaupt? Mit meiner Beziehung, meinem Job, meinem Leben, mit mir?


Je ruhiger es also im Außen wird, desto turbulenter und wilder zeigen sich unsere Gedanken und Gefühle. Mein Jahr war geprägt von vielen schönen Begegnungen, Erlebnissen, Hoffnungen – von Enttäuschungen. Dabei bin ich mir selbst sehr viel näher gekommen. Näher gekommen und gewachsen, weil alles mal wieder Kopf stand. Wegen der „Ruhe im Außen“ entstand Zeit zum Innehalten.

Ich war gezwungen neue Perspektiven einzunehmen, neue Ansatzpunkte finden, die Welt aus anderen Augen sehen, mich von Manchem zu lösen, mich neu zu sortieren. Es war nicht immer schön, nicht immer leicht – aber ich habe das Gefühl, es war nötig, um wieder klarer zu sehen, eine neue Haltung einzunehmen, Veränderungen in meinem Erleben wahrzunehmen. #moveyoursoul


Ich hatte schon immer sehr klare Vorstellungen, Ziele und Erwartungen. Wusste wie etwas zu sein hat, wie etwas zu laufen hat. Zum Glück – vielleicht auch leider – konnte ich Vieles von dem umsetzen und erreichen. Manches mit Fleiß, mit Ehrgeiz, mit Durchhaltevermögen, mit dem Setzen von Prioritäten, mit dem Setzen von Grenzen. Oft gebe ich mich nicht zufrieden. Nicht zufrieden, bis es gut für mich ist. Manchmal war es hilfreich, manchmal hat es mir das Leben schwer gemacht.

Klare Wünsche, klare Vorstellungen. Ist es gut? Gut für eine klare Vision, einen Kompass im Leben? Oder aber ist es hinderlich? Halten wir zu lange fest an einer Illusion, einer Projektion? Einer Projektion unserer Träume, statt die Realität – das Hier & Jetzt - das was wir haben und vor uns liegt zu schätzen und zu sehen. Werden wir enttäuscht von unseren Erwartungen, zu starren Vorstellungen?

Muss ich also loslassen, mich von dieser Erwartung befreien, alles über den Haufen werfen – auf den Kopf stellen - um am Ende wieder das zu sehen, was vielleicht schon immer da war, vielleicht mit einem neuen Blick, vielleicht mit einer anderen Perspektive? Kann ich mich von meinen Erwartungen befreien, um wieder einen klaren Blick auf das was IST zu haben, statt nur meine Ziele, Wünsch und Projektionen zu fokussieren?


Aber nun mal konkret – wie kann das gehen, was soll das heißen?

Ich habe Wünsche, ich habe Sehnsüchte. Manchmal bin ich traurig, dass ich nicht alles haben kann, was ich mir wünsche. Das wird so bleiben, das ist normal, das wird uns allen so gehen. Die Frage ist, wie gehen wir damit um: Verdrängen wir diese Sehnsüchte und lenken uns ab? Versuchen wir verbissen etwas zu erreichen und zu erzwingen? Oder versuchen wir das Beste daraus zu machen? Den Teil, der uns fehlt, so gering wie möglich zu halten, in dem wir loslassen, uns auf etwas anderes konzentrieren, andere Lebensbereiche ausfüllen, Dinge tun, die uns Lebensfreude bringen. Wie es immer so schön heißt: „Fokus formt Gefühl“. Wenn ich mich also immer auf das konzentriere, was ich NICHT habe, wird es nur umso größer, statt ein wenig in den Hintergrund zu rücken.

Ganz bestimmt wollte ich oft mit dem Kopf durch die Wand und Wünsche erzwingen. Immer wieder machte ich dieselbe Erfahrung: klappt nicht, geht nicht. Und genau mit diesem Kopf-durch-die-Wand-Modus, habe ich manchmal das wirklich Gute, das Schöne, das direkt vor mir liegt verpasst, nicht gesehen oder erst zu spät erkannt.


Ein gutes Beispiel war unserer Japan Reise. Wir hatten so wirklich gar keine Erwartungen, geschweige denn einen Plan, noch nicht mal eine Vorstellung von dem, was wir nun tun wollen. Überrascht, wie kalt es doch im Februar sein kann stand auch hier mal kurz die Welt Kopf. Was tun? Aber was gibt es besseres, als Skifahren zu gehen? Wir hätten es nicht besser planen können. Als einzige Europäer im Hotel, ohne Plan was da auf unseren Tellern lag, fanden wir schnell Anschluss zu den Japanern vor Ort. Aus Hilfsbereitschaft – vielleicht auch aus Mitleid – wurde uns viel erklärt und gezeigt. Ein Ehepaar lud uns schließlich zu sich nach Hause ein. Volles Programm – traditioneller Lunch, Teezeremonie, Kimono-Anprobe. Es hätte nicht authentischer, nicht spannender, nicht besser sein können. Nur wie kam es dazu – indem die Welt kurz Kopf stand, in dem wir recht planlos einen neuen Plan verfolgten, indem wir ohne Erwartungen mit viel Zeit und Bewusstsein im Hier und Jetzt waren, wahrgenommen haben, was um uns herum passiert und wir nur noch zugreifen mussten, was direkt vor uns lag. Niemals hätten wir das erleben können, wenn wir einen klaren, straffen Zeitplan mit hohen Erwartungen an die Highlights des Landes verfolgt hätten. Genau dieses Bewusstsein, Dinge laufen zu lassen, frei zu sein und dennoch etwas daraus zu machen, zu gestalten und dann zuzugreifen, wenn die besten Dinge vor einem liegen – das habe ich während dieser Reise, aber vermutlich erst dieses Jahr so richtig begriffen.


(PS: und natürlich ein großes DANKESCHÖN an die beste Reisebegleitung ever <3, für immer im Herzen.)


Ich habe mich dieses Jahr in viele Abenteuer gestürzt. Stets mit klaren Erwartungen, mit einer klaren Vision und einem klaren Ziel vor Augen. Einer klaren Vorstellung, wie das Endergebnisse auszusehen hat. Mit dem Fokus nur auf dem Ziel, nicht auf dem IST habe ich ganz oft die falschen Entscheidungen schon zu Beginn getroffen. Die Enttäuschung wieder ganz nah. Immer wieder. Immer wieder dasselbe. Bis ich es nicht mehr ausgehalten habe. Die gesammelten Enttäuschungen mich eingeholt haben. Tränen, die ich nicht mehr verbergen konnte. Die Welt stand Kopf, wo stand mir der Kopf? Es gab nicht den einen Auslöser…viele kleine Auslöser, viele Enttäuschungen, Vieles von dem ich mich immer wieder ablenken konnte, verbissen an meinem Plan festhalten wollte. Doch dann kam die Ruhe und es wurde ganz laut. Gut so. Es war eine anstrengende Zeit, aber die Auseinandersetzung mit diesem Trubel, mit den Tränen, mit diesen Gefühlen, brachte irgendwann die Ruhe zurück. Es konnte wieder leiser werden, ruhiger in mir selbst. Nach wie vor habe ich Wünsche und Sehnsüchte, aber ich kann sie besser zulassen, aushalten, da sein lassen - habe angefangen Manches zu verändern, anzupassen, kann mich viel mehr auf die Freuden im Alltag konzentrieren. Dennoch bin ich immer wieder traurig. Traurig über das was ich nicht habe. Ich akzeptiere das. Aber ich bin gespannt, voller Neugier, Offenheit und Zuversicht - freue mich auf das, was auf mich zukommen mag. Ganz von alleine.


Ich habe losgelassen, versuche es zumindest - mich befreit von starren Erwartungen und Wünschen. Kann dadurch das IST wieder so viel mehr schätzen und gestalten. Es ist kein Aufgeben meiner Visionen - im Gegenteil, ich sehe wieder so viel mehr, fühle mich freier, lebendiger, vertraue auf mich, auf das Leben, auf meinen klaren Blick, der nicht geprägt ist von Illusionen und Projektionen, von Wünschen und Erwartungen, sondern für das was wirklich IST.


Und wie es immer so ist, plötzlich ist es da, ganz klar, direkt vor mir. Weil ich es endlich sehen konnte. Genau das, wonach ich immer suchte. Es war schon lange da – doch vor lauter Suchen, konnte ich es gar nicht finden. Ich kann auch das nicht haben, aber es ist da. Die Sehnsucht bleibt, aber ich weiß, irgendwann wird’s kommen, zum richtigen Zeitpunkt, zum richten Moment. Vieles ist seither passiert, so viel Positives kommt einfach auf mich zu, ganz von alleine. Viel offener ist meine Haltung, mein aktives Gestalten und die Neugier für das was IST, statt für das was sein SOLL. Ich werde also nicht länger suchen, nichts erzwingen - ich werde darauf vertrauen. Vertrauen - eine andere Perspektive, ein neuer Ansatz. Die Welt steht Kopf, stand Kopf und sieht schon wieder viel lebendiger aus: viel freier, viel weiter, viel wilder. #feelfree #moveyoursoul





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